Ratgeber

Smalltalk lernen, wenn dir nie einfällt, was du sagen sollst

Smalltalk hat einen schlechten Ruf. Er wirkt oberflächlich, sinnlos oder wie eine Prüfung, für die niemand gelernt hat: die Kaffeemaschine im Büro, die Nachbarin im Aufzug, der Freund eines Freundes auf einer Party. Im Kopf ist es leer, die Stille zieht sich, und hinterher wärst du lieber zu Hause geblieben.

Dabei geht es beim Smalltalk gar nicht ums Wetter. So prüfen Menschen, ob sie sich miteinander sicher fühlen, und suchen nach Gemeinsamkeiten. Smalltalk ist die Tür, nicht der Raum. Und wie bei jeder Tür wird es leichter, sobald du weißt, wo die Klinke ist.

Smalltalk bringt mehr, als man denkt

Kurze, freundliche Wortwechsel tun uns besser, als wir erwarten. In einer Studie baten Gillian Sandstrom und Elizabeth Dunn Gäste eines Cafés, entweder möglichst schnell ihren Kaffee zu holen oder ein echtes kleines Gespräch mit dem Barista zu führen. Wer geplaudert hatte, ging besser gelaunt und fühlte sich verbundener.

In einer anderen Studie baten Nicholas Epley und Juliana Schroeder Pendlerinnen und Pendler im Zug, mit einer fremden Person zu sprechen, allein zu sitzen oder sich wie immer zu verhalten. Die meisten sagten voraus, dass das Gespräch unangenehm würde. Tatsächlich hatten gerade diejenigen, die sich unterhielten, die angenehmste Fahrt. Wir unterschätzen, wie sehr uns ein Gespräch gefallen wird und wie sehr es dem Gegenüber gefällt.

Das einfache Muster hinter gutem Smalltalk

Fast jeder gute Smalltalk besteht aus denselben fünf Zügen. Du brauchst nicht jedes Mal alle.

  1. **Bemerken**, was ihr beide gerade erlebt.
  2. **Fragen**, und zwar etwas Leichtes und Offenes.
  3. **Nachfragen** zu dem, was die andere Person sagt.
  4. **Erzählen**, ein bisschen von dir.
  5. **Abschließen**, freundlich und bevor die Luft raus ist.

1. Fang mit dem an, was ihr gerade teilt

Am leichtesten beginnst du mit der Situation, in der ihr beide steckt: die Schlange, der Ort, die Veranstaltung, die Musik. Dafür braucht es keinen Geistesblitz, und es steht nichts auf dem Spiel. „Heute geht es ja schnell voran.“ „Haben Sie hier schon etwas Gutes probiert?“ „Woher kennst du die Gastgeber?“

Wenn dir etwas auffällt, das jemand selbst ausgesucht hat, zum Beispiel ein Buch, eine Tasche oder das Trikot einer Mannschaft, kannst du auch danach fragen. Lob die Sache, nicht die Person, und häng eine Frage an: „Schöne Tasche. Woher ist die?“

2. Stell offene Fragen

Fragen mit „was“, „wie“ oder „welche“ laden zu mehr ein als zu Ja oder Nein. „Gefällt es dir hier?“ kann mit einem Wort enden. „Wie bist du hier gelandet?“ meistens nicht.

3. Frag nach, und dann noch einmal

Dieser Zug sorgt dafür, dass man gern mit dir redet. In einer Studie unter Leitung von Karen Huang in Harvard wurden Menschen sympathischer gefunden, wenn sie mehr Fragen stellten, vor allem Nachfragen zu dem, was das Gegenüber gerade erzählt hatte. Eine Nachfrage zeigt, dass du zuhörst: „Ach, du bist gerade erst hergezogen? Warum gerade diese Stadt?“

4. Erzähl auch etwas von dir

Ein Gespräch aus lauter Fragen fühlt sich bald wie ein Verhör an. Gib nach ein, zwei Fragen etwas von dir preis: eine kleine Meinung, eine kurze Geschichte, etwas, das ihr gemeinsam habt. Dann hat auch die andere Person etwas, wonach sie fragen kann.

5. Hör auf, wenn es am schönsten ist

Du musst ein Gespräch nicht so lange am Leben halten, bis es zusammenbricht. In einer Studie von 2021 mit Hunderten von Gesprächen fanden Adam Mastroianni und Kollegen heraus, dass Gespräche fast nie dann enden, wenn beide es wollen, und dass Menschen schlecht einschätzen können, wann das Gegenüber aufhören möchte. Ein freundlicher Abschied ist also nicht unhöflich, sondern normal: „Ich will dich nicht länger aufhalten. War schön, mit dir zu reden.“

Gesprächseinstiege für alltägliche Orte

OrtEinstiegNachfrage
Café oder Laden„Was mögen Sie hier selbst am liebsten?“„Und was passt gut dazu?“
Arbeit„Wie läuft deine Woche bisher?“„Woran sitzt du gerade?“
In der Schlange„Ist hier um diese Zeit immer so viel los?“„Kommen Sie öfter her?“
Nachbarschaft„Wohnen Sie schon lange hier?“„Haben Sie einen Tipp hier in der Gegend?“
Party oder Veranstaltung„Woher kennst du die Gastgeber?“„Was machst du so am Wochenende?“
Jemand mit Hund„Wie heißt Ihr Hund?“„Was ist das für eine Rasse?“

Wenn das Gespräch stockt

**Es kommt nur ein Wort zurück.** Das ist nicht immer eine Abfuhr. Auch andere sind müde, in Eile oder schüchtern. Versuch noch eine Frage zu einem anderen Thema oder erzähl etwas von dir. Wenn es dann immer noch nicht zündet, lass es mit einem Lächeln gut sein. Den schwierigen Teil hast du schon hinter dir.

**Dein Kopf ist leer.** Geh zurück zur Umgebung („Was ist hier gut?“) oder zu etwas, das die andere Person vorhin gesagt hat („Du hast erzählt, dass du gerade unterwegs warst. Wo warst du denn?“). Frühere Themen sind ein Vorrat, auf den du immer zurückgreifen kannst.

**Es entsteht eine Pause.** Ein paar Sekunden Stille fühlen sich von innen viel länger an, als sie von außen wirken. Du musst nicht jede Lücke füllen. Oft übernimmt das die andere Person.

Ein bisschen tiefer gehen

Wenn die Tür einmal offen ist, kannst du hineingehen. Michael Kardas, Amit Kumar und Nicholas Epley fanden heraus, dass Menschen tiefere Gespräche mit Fremden für unangenehmer halten, als sie tatsächlich sind, und unterschätzen, wie sehr das Gegenüber sich für sie interessiert. Probier eine Frage, die nicht ums Organisatorische geht: „Was war bisher das Beste an deiner Woche?“ oder „Wie bist du dazu gekommen?“

Häufige Fragen

Welche Smalltalk-Themen eignen sich?

Die gemeinsame Situation, Arbeit oder Studium, Pläne fürs Wochenende, Reisen, Essen, Haustiere, Hobbys und etwas, das ihr gerade beide gesehen habt. Viele merken sich die Eselsbrücke FORD: Familie, Beruf (Occupation), Freizeit (Recreation), Träume (Dreams). Lass Themen weg, die jemanden in Verlegenheit bringen könnten, etwa Geld, Gewicht oder Religion, es sei denn, das Gegenüber spricht sie selbst an.

Was tun, wenn mir nichts mehr einfällt?

Frag nach etwas, das die andere Person vorhin erwähnt hat, sag etwas zur Umgebung oder beende das Gespräch freundlich. Das ist kein Scheitern: Jedes Gespräch endet irgendwann.

Wie werde ich besser im Smalltalk?

Übe oft und in kurzen, entspannten Momenten. Ein Satz an der Kasse oder in der Büroküche jeden Tag bringt mehr als eine große Netzwerkveranstaltung im Monat. Zwei, drei vorbereitete Einstiege helfen sehr, gerade wenn du introvertiert bist.

Smalltalk üben mit DayDare

DayDare hat dafür eine eigene Leiter. Smalltalk führt in fünf Stufen von einem einzigen Satz über das, was gerade um dich herum passiert, bis dahin, ein Gespräch anzufangen und noch zwei Sätze weiterzuführen. Zu jeder Mutprobe gibt es „Was du sagen kannst“: einen ersten Satz, einen Satz für den Fall, dass nur ein Wort zurückkommt, und was du tun kannst, wenn jemand Nein sagt.

Jeden Tag bekommst du eine kleine Mutprobe für Orte, an denen dein Leben sowieso stattfindet. Danach trägst du in dreißig Sekunden ein, wie es lief, und dein Tagebuch zeigt, wie oft es leichter war, als du erwartet hattest. Kein Konto, keine Werbung, keine KI. Einmal kaufen, kein Abo.